Die Selbstbeschäftigung und ein Schiff mit zu vielen Navigatoren

By | 21. Januar 2014

Häufig hört man aus “Parteikreisen”, dass die Piraten doch bitte mit der Selbstbeschäftigung aufhören sollen und sich wieder um die Menschen “da draußen” kümmern sollen, dass wir nicht gewählt werden, wenn wir uns dauernd streiten und sowieso uns lieber mit “Politik” beschäftigen sollten.

Ich glaube, dass wir uns nicht genug mit uns selbst beschäftigen. Wir müssen viel mehr Dinge und Themen klären, die strittig sind. Früher™ mag es noch in Ordnung gewesen sein, wenn wir sagten “Wir sind nicht rechts, nicht links, sondern vorne.” Aber mittlerweile sind so viele neue Menschen zur Partei gekommen, neue Menschen mit eigenen Vorstellungen, eigenen Ideen, eigenen Erfahrungen, eigenen Visionen, dass es eigentlich fast unmöglich ist, noch sinnvoll über weitere Strecken zusammenzuarbeiten.

[Achtung! Nautische Metapher!] Manchmal kommt mir die Piratenpartei vor wie ein Schiff, dass losgesegelt ist, ohne einen Kurs zu haben und jetzt will jeder der Navigator sein, so dass wir nach Norden, Süden, Osten und Westen segeln, ohne genau zu wissen, ob dieser Kurs sinnvoll ist oder nicht.

Ich erinnere nur an die LQFB-Kriege, an die SMV-Kriege, die Gender-Kriege oder jetzt ganz neu die Links-Rechts-Vorne-Kriege. Wir haben es verpasst, dass sich “die neuen Mitglieder” und “die alten Mitglieder” auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Sind wir eine Bürgerrechtspartei oder eine Menschenrechtspartei? Sind wir links oder rechts oder vorne oder was weiß ich was? Sind wir visionär oder realpolitisch? Wo wollen wir hin?

Dies gilt es in Zukunft zu klären. Und nein, Parteitage sind kein geeignetes Mittel so etwas zu diskutieren. Parteitage sind, wie sicher den meisten klar sein wird, undemokratischer als so manche Delegiertenversammlung der “etablierten” Parteien. Diese Diskussionen müssen wir über das Internet, über Stammtisch, über Mumble-Diskussionen führen, um zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen. Und das muss geordnet, ruhig und unaufgeregt passieren. Ich mein, wie können wir erwarten, dass die Beteiligung aller Menschen funktioniert, wenn wir es noch nicht einmal innerparteilich hinbekommen eine sinnvolle Diskussionskultur aufzubauen? Wie wollen wir denn jemals es schaffen den Kritikern da etwas entgegen zu setzen?

Und ich weiß auch nicht, wie lange das dauern wird. Wenn wir Pech haben, sind wir Jahre damit beschäftigt unseren eigenen Kurs (Diese nautischen Metaphern sind aber auch überall!) zu finden, aber ich denke, wenn wir so weitermachen, wie bisher, wird die Piratenpartei keine Zukunft haben. Was sehr bitter ist, da sie vermutlich die einzige Chance ist, die wir noch haben.

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